Panik / Angst / Furcht / Sorge - Was Sie darüber wissen sollten

Angst - sinnvolle Begleiterin durch unser Leben

Angst ist überlebensnotwendig

Seit es Lebewesen gibt, gibt es Angstempfinden. Tiere, wie Menschen besitzen diese Funktion. Wesentliche Teile, die für Angsterkennung und deren Auslösung zuständig sind, sitzen im Mittelhirn, welches auch Gefühlshirn genannt wird. Die Folgen wären fatal, wenn wir völlig frei von Angst wären.

 

Wenn ich von 'Angst' spreche, meine ich nicht ein Krankheitsbild, sondern das herkömmliche Angstempfinden, das manchmal mehr, manchmal weniger stark in Erscheinung tritt. Je nachdem, wie groß der Stress dabei wird.

 

Oftmals handelt es auch 'nur' um Sorge, oder Befürchtungen, wo es dann heißt:

 

"Ich bin besorgt, weil..."

"Ich fürchte, dass ..." 

"Ich befürchte, dass ..."

 


Ängste mahnen uns zu erhöhter Aufmerksamkeit und Vorsicht. Hätten unsere Vorfahren bei der Begegnung mit einem Säbelzahntiger zuerst die Ratio (Verstand) benutzt, wäre die Menschheit sicher schon damals ausgestorben. 

 

Wenn Gefahr droht sorgt nämlich unser Stammhirn (Reptilienhirn) - noch bevor wir denken - dafür, dass wir fliehen, oder uns totstellen und danach wieder entspannen, oder angreifen. Das können wir nicht beeinflussen.


 

Angst ist also im gesunden Ausmaß sehr nützlich, überlebens-notwendig und kann uns regelrecht beflügeln. Natürlich nehmen wir nicht jeden Schrecken, oder jedes unangenehme Gefühl als 'Angst' wahr. Vielmehr empfinden wir oft nur Sorge, oder neigen zu Befürchtungen.

 

"Ich bin besorgt, weil sich mein Kind noch nicht gemeldet hat!"

"Ich sorge mich um meine kranken Eltern!"

"Ich befürchte, dass ich zum Bus / Termin zu spät komme!"

"Ich fürchte, das geht nicht gut aus!"

"Ich habe Angst, mich bei der Schularbeit zu verzetteln!"

"Ich habe Angst vor einem Gewitter!" 

"Ich habe panische Angst vor Hunden!"

...

 

Unsere Videokamera im Mittel- / Gefühlshirn nimmt alles auf!

 

Während undramatische Ereignisse sehr rasch wieder gelöscht werden, werden all jene Erlebnisse, die von uns als unangenehm empfunden wurden abgespeichert. Sie wurden von den Wachposten unseres Gefühlshirns als notwendig erachtet, es für das spätere Leben aufzubewahren. Die Erfahrungen waren gleichbedeutend mit 'Gefahr' und die abgespeicherten Gefühle sollen uns vor ähnlichen Situationen schützen. Deshalb melden sie sich bei ähnlichen Ereignissen, obwohl wir uns weder an die Ersterfahrung erinnern, noch die unguten Gefühle irgendwie zuordnen können.

Beispiel

Zwei Neandertaler gehen durch den Wald. Einer findet einen Pilz und kostet davon. Schnell wird ihm übel, er fällt um und ist tot. Der andere erkennt, dass der Pilz dran Schuld sein muss. Sofort läuft er zu seiner Sippe und holt sie zu ihrem toten Mitglied. Er zeigt auf den Pilz und erklärt, dass sein Freund deshalb gestorben ist.

 

Die ganze Sippe weiß also ab jetzt, dass diese Art von Pilz tödlich sein kann. Jedes Mal, wenn sie so einem Pilz begegnen, wird unwillkürlich das Bild ihres toten Freundes vor ihrem geistigen Auge erscheinen. Sie werden diesen Pilz meiden und sofort ihre Kinder davor warnen, indem sie die tragische Geschichte von ihrem Stammesmitglied erzählen. Somit läuft im Gefühlshirn der Kinder automatisch ein Film ab, obwohl sie gar nicht dabei waren. Weil die Folgen so gravierend waren und die Gefahr so groß ist, wird die Erzählung für das Gehirn so wichtig, dass sie abgespeichert wird. Alle kommenden Generationen werden diese Informationen hören und als wichtig abspeichern.  

 

 

Wenn 'gesunde' Angst beflügelt und stärkt

Wenn wir als Kinder 'gesund' motiviert worden sind, Menschen vertrauen und uns bei ihnen sicher fühlen konnten, war es leicht, Ängste zu überwinden. Selbst wenn Aussprüche mitunter beschämend waren, so hat uns das Vertrauen in unsere Eltern, Großeltern und andere vertrauenswürdige Personen häufig angespornt, über unseren Schatten zu springen und Dinge zu bewältigen, welche wir sonst nicht in Angriff genommen hätten. Es war leichter irrationale Ängste zu bezwingen und hat uns gelehrt, dass wir mehr können, als wir uns selbst zugetraut hätten.

 

 

Hinderliche Ängste

Negative Erlebnisse und Erfahrungen werden also im Mittelhirn abgespeichert und lösen in gewissen Situationen Stress aus. Wenn die Angst ein bestimmtes Maß überschreitet, dann engt sie ein, behindert soziale Kontakte, führt im Beruf zu einem Absinken der Leistung und beeinträchtigt die Lebensqualität. Dabei handelt es sich allerdings um keine Persönlichkeitsstörung, sondern um geringen Selbstwert.

 

"Das wirst du nie können!" und

"Bist du so dumm, oder stellst du dich nur so?"

 

Solche erniedrigenden Sätze haben sich entweder so heftig in uns eingebrannt, dass wir aus dem 'Loser-Dasein' gar nicht mehr rauskommen und in der Opferrolle gefangen sind. Um gesehen zu werden und überleben zu können, haben manche Menschen eine Strategie entwickelt: Sie haben sich arrangiert, wegen ihrer ständigen Ängste und ihrem unverkennbaren Minderwertigkeitskomplex von allen belächelt, gehänselt, oder sogar verachtet zu werden. Auch wenn diese Art der Aufmerksamkeit noch so beschämend und lästig ist – sie wirkt! Leider entsteht dadurch ein echter Teufelskreis, denn durch die Kränkung steigt das Misstrauen, meist gepaart mit Eifersucht und Neid, weil es den anderen besser geht, weil sie anerkannt und gesehen werden. Dementsprechend sinkt wieder der Selbstwert. Das strahlen sie unweigerlich aus und werden Angriffsfläche für neuerliche Spottattacken und Redereien. Die Spirale dreht sich nach unten...

 

 

Aber auch versteckte Ängste können auch in manchen Lebenslagen, oder am Arbeitsplatz viel an Macht bekommen und über uns regieren. Ängste, die aber nicht sein müssen / bleiben sollen.

 

Das gemeine an Angst ist, dass sie sich nicht nur in den klassischen Angstzuständen zeigt, sondern sich meist hinter Stress-symptomen versteckt, z.B. in chronischen Beeinträchtigungen wie:

 

Anspannungen

Schlafstörungen

 Rückenschmerzen

Bluthochdruck

 

Solche Symptome sollten daher in jedem Fall beachtet und genau hinterfragt werden, um die Ursachen zu finden. Angst sollte rechtzeitig und gezielt bekämpft werden, bevor sie sich manifestiert.

 

Oft liegen die Ursachen für diverse Angststörungen sehr weit in unserer Kindheit zurück.

 

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